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Leserbrief vom 21.04.06

an das Schweinfurter Tagblatt zum Artikel „Ortstermin im Kernkraftwerk“

Atomkraftwerksbetreiber werden nicht müde, ihre Kraftwerke als „betriebssicher, umweltfreundlich und kostengünstig“ anzupreisen. Die CSU, die sich für Atomkraft und Laufzeitverlängerungen ausspricht, springt seit Jahren auf diesen Argumentations-Zug auf, anscheinend blind für die Tatsache, dass der versprochene Zielort gar nicht existiert.

Viele internationale Experten, Physiker und Ingenieure liefern seit Jahren zahllose Fakten, welche belegen, dass es die „saubere, umweltfreundliche und kostengünstige Atomkraft“ nicht gibt. So können trotz aller technischen Fortschritte Alterungsprozesse der Reaktoren nicht verhindert werden und mit jeder Laufzeitverlängerung erhöht sich das Gesamtrisiko schwerer Unfälle durch Korrosion, Strahlenschäden, Rissbildung auch im Innern zentraler Komponenten etc. entscheidend. In den vergangenen Jahrzehnten traten solche Schäden auch an deutschen Reaktoren immer wieder auf und führten zum Teil knapp an Katastrophen vorbei, wie z.B. in Brunsbüttel. Hier kam es in einem Rohr des Siedewasserreaktors zu einer schweren Wasserstoffexplosion.

Dass keiner der Ende 2005 weltweit betriebenen 443 Reaktoren einem gezielten Terrorangriff mit einem vollgetanken Großraumjet widerstehen könnte, bestätigten nach dem Anschlag vom 11. September übereinstimmend sogar die Reaktorbetreiber. Extremisten wissen, welches unmittelbare Inferno, millionenfache Leid und volkswirtschaftliches Erdbeben sie durch einen Terroranschlag auf ein AKW auslösen würden. Die Zerstörung eines Atomkraftwerkes könnte laut Experten eine radioaktive Kontamination erzeugen, die 1000 mal höher ist als die einer Atombombe.

Die Bedrohung von Atomkraftwerken infolge kriegerischer Auseinandersetzungen ist schon lange keine theoretische Überlegung mehr, sondern zeigte sich bereits mehrfach in der Realität, so z.B. 1977 bei einem Bombenanschlag baskischer Separatisten oder 1993 im Balkankonflikt. Die Liste der Gefahren für Mensch und Umwelt, die von der Atomenergienutzung ausgehen, ließe sich hier noch lange fortsetzen. Sie reicht von den Folgen des Uranabbaus über die radioaktiven Emmissionen von AKWs im Normalbetrieb bis hin zur immer noch ungeklärten Frage der Endlagerung des hochradioaktiven Atommülls.

Die Behauptung der „sicheren Atomkraft“ soll der Bevölkerung als Beruhigungspille verabreicht werden. Ich empfehle: Lesen sie die Packungsbeilage, informieren sie sich über Nebenwirkungen und greifen sie auf andere Mittel der Genesung zurück: Strom einsparen, Stromanbieter wechseln, erneuerbare Energien selbst erzeugen oder nutzen und eine Politik unterstützen, die konsequent auf eine Energiewende setzt.

Rita Weber, OV-Sprecherin, Bündnis 90/DIE GRÜNEN Sennfeld

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