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KKG -Stillegung - und dann? Rückbau? Freimessung? Lagerung?
Bericht einer Veranstaltung

Spätestens seit der Abschaltung des Atomkraftwerks in Grafenrheinfeld stellt sich die Frage: Stilllegung und dann? Was tun mit der stillgelegten Anlage? Ist der von E.ON anvisierte schnellstmögliche Abriss der Anlage auch der beste Weg für Mensch und Umwelt?  Wohin mit dem hochradioaktiven, mittel- und schwach-radioaktiven Abfall und den über  20.000 Tonnen Bauschutt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Informationsabends, zu welcher die Gemeinde Sennfeld auf Anregung des Bund Naturschutzes am 1. Juli 2015 eingeladen hatte.  Herbert Bartel, Energieexperte der BN-Kreisgruppe Schweinfurt, machte deutlich: Die Sachlage ist komplex und nicht nur wirtschaftliche Überlegungen, sondern auch umwelt- und gesundheitspolitische Überlegungen müssen bei den zukunftsrelevanten Entscheidungen berücksichtigt werden. Die Frage nach dem möglichst sicheren Abbau des KKGs sei zudem auf dem Hintergrund der bundes- und auch weltweit immer noch ungelösten Frage nach einem sicheren atomaren Endlager zu beantworten.

Sicher sei, so Barthel, dass die stark radioaktiven Brennelemente, sowie  mittel- und schwach-radioaktives Material zunächst im Zwischenlager am KKG-Standort eingelagert werden und dass wohl erst in  80 oder mehr Jahren ein bezugsfertiges Endlager bereit stehe. „Das ist eine Zeit, die wir selbst nicht mehr erleben werden, sondern nur unsere Enkel, Urenkel oder Ururenkel“, gab Barthel zu bedenken und stellte dann die Frage: „ Wer garantiert, dass die im Zwischenlager deponierten Castorbehälter so lange halten?“.  Nachfolgende Generationen seien enormen Gefahren ausgesetzt, wenn nicht heute  entsprechende Vorkehrungen getroffen würden.  „Keiner weiß,  in welchem Zustand mit hochradioaktivem Material befüllte Castorbehälter nach 50, 60 oder 80 Jahren sind. Die Gefahr, dass die  Behälter undicht werden und  Radioaktivität in die Umwelt entweicht, hält der Energieexperte für ein durchaus realistisches Szenario. Um undichte Behälter reparieren zu können, müsse am KKG-Standort unbedingt eine sog. heiße Zelle vorhanden sein. Nur so könnten die Gefahren für Mensch und Umwelt gemindert werden.  Darüber hinaus sei es wichtig, die  Sicherheit des Zwischenlagers zu erhöhen, das derzeit z.B. noch nicht gegen Flugzeugabstürze oder Terroranschlägen  gesichert sei.

Neben dem hoch-, mittel- und schwachradioaktiven Müll ist laut Barthel beim KKG-Abbau mit rund 28.000 Tonnen weiterem Müll und Bauschutt zu rechnen. Dieser sei nicht ganz frei von Radioaktivität, werde jedoch in der Regel „freigemessen“.  D.h. : Die betreffenden Anlagenteile würden auf Radioaktivität vermessen und so weit gereinigt, bis  die Radioaktivität einen Messwert erreiche, der nicht mehr nach atom- und strahlenschutzrechtlichen Vorgaben zu behandeln sei. Gering radioaktives Material gelange auf diese Weise unkontrolliert auf Hausmüll- oder Bauschuttdeponien oder werde  im Zuge von  Recylingverfahren z.B. im  Straßenbelag,  auf Spielplätzen oder anderweitig verbaut oder in der Produktherstellung verwendet. Radioaktives Material werde so unkontrolliert verbreitet und sei im Bedarfsfall auch nicht mehr rückholbar.  Als Alternative stellte der Energieexperte des Bund Naturschutz anschließend den sog. „Sicheren Einschluss“ vor. Statt die Bauruine komplett abzutragen, könnten die gering radioaktiven Bauteile am ehemaligen KKG-Gelände verbleiben, unter einem Erdhügel eingeschlossen und mit einem Zaun abgesichert werden. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt abzeichnen, dass vom eingeschlossenen Material  Gefahren ausgehen, wären der Zugang zum eingeschlossenen Material und eine fachgerechte Entsorgung   möglich. „Ob der Rückbau oder der Einschluss die umweltverträglichere Variante ist, können wir als Bund Naturschutz nicht beurteilen. Dies muss geprüft werden. Aber aus wirtschaftlichen Betreiberüberlegungen heraus einen schnellen Abriss der KKG-Anlage zu favorisieren, ohne Alternativen geprüft zu haben, ist unverantwortlich und sollte von den Gemeinden rund um das KKG auch nicht einfach hingenommen werden“ erklärte Barthel.  Mit rechtlichen Mittel gegen einen schnellen Abriss vorzugehen, sei  wenig aussichtsreich, da die bestehenden Gesetze leider so gestrickt seien, dass die sog. Freimessung und der schnelle Abriss möglich seien. Politische Überzeugungsarbeit sei notwendig, damit Alternativen in den Blick genommen würden.  Am Schluss der Veranstaltung rief Edo Günther, Vorsitzender des Bund Naturschutz,  anwesende Gemeindevertreter und andere Bürgerinnen und Bürger auf, schnellstmöglich  tätig zu werden und sagte auf Nachfrage die Unterstützung durch die BN- Kreisgruppe zu.

 

 

 



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